Auf der Skipiste. Eine Spritztour mit dem Wohnmobil

Ein Wohnmobil hat keinen Four Wheel Drive. Zumindest meines nicht. Auch wenn ich mir manchmal vorstelle und wünsche, dass meines ein umgebauter Jeep wäre.

Ich wollte den Tag in den Bergen verbringen, spazieren gehen, die Landschaft genießen, am besten auf den kleinsten und von der Zivilisation entferntesten Straßen fahren. Bislang hat mir mein Navigationssystem immer sehr zuverlässig die schönsten Trips organisiert. Wahrhaftig, das Erzgebirge ist nicht die Alpen oder der Kaukasus, dennoch können die Straßen sehr eng und uneben werden. Ich fuhr eine kleine Straße, hatte das letzte Dorf und das sanfte Tal hinter mir gelassen. Die Sonnen ging langsam in einem knalligen Pink unter, was die orangefarbenen und gelben Ahornbäume noch kräftiger leuchten lies. Links fahren, sagte das Navi. Ich hielt an, zögerte: Das sah ein wenig nach Forstweg aus. Hmm, überlegte ich, was soll’s. Es weiß schon, wo wir hin müssen, so schlimm kann es gar nicht sein. Wirklich, so schlimm war es gar nicht. Es war nur ein sehr enger Forstweg, in der Mitte mit hohem Gras bewachsen, die Fahrspuren schlammig und löchrig. Wäre mir ein Auto entgegen gekommen, hätte einer von uns einige Kilometer rückwärts ausweichen müssen. Nach einer Weile kam ich zu einer Kreuzung. Mein Navi sagte: Links. Ich konnte auf der Karte sehen, dass die von rechts kommende Straße, die in einem durchaus besseren Zustand war, in nur wenigen Kilometern auf die Hauptstraße führen würde. Aber auf der war ich schon heute Morgen gefahren und ich war hier um die Gegend zu erforschen. Was auch immer, dachte ich. Ich fuhr nach links. Der Weg war aus Betonblöcken zusammengeschachtelt; der Bus und ich hoppsten in gleichmäßigem Rhythmus gemütlich und doch leicht nervig auf und ab, hophophop. Das ist dumm, sagte ich laut. Ich machte mir wegen dem geringen Abstand zwischen dem Fahrzeugboden und den Unebenheiten der Straße Sorgen. Das ist sogar ziemlich bescheuert, sagte ich zu mir. Und spaßig. Ich drehte die Musik auf. Der Weg wurde besser, jetzt war er nur noch mit leicht eingeschneitem Matsch bedeckt. Der Wald öffnete sich und mich erwartete eine tolle Aussicht auf das unterhalb liegende Tal und die Bergkette im Hintergrund. Mein Navi sagte: Links abbiegen. Links?? Na klar! Ich lachte: Scheinbar hoffte nicht nur ich, dass ich einen Jeep führe, sondern das Navi dachte bereits, dass das Wohnmobil tatsächlich einer war! Links abbiegen bedeutete eine verschlammte, steile Skipiste hochzufahren! Offensichtlich waren dort auch schon Autos unterwegs gewesen. Natürlich, ich fuhr geradeaus weiter, und sah auf der Karte, dass dies eine Sackgasse war. Wo wenden? Würde es am Ende mehr Platz geben? An der nächsten möglichen Stelle startete ich ein riskantes Wendemanöver: Links ging es steil hoch, rechts – steil hinunter. Wie bescheuert war doch diese Sache! Und das alles mit einem Wohnmobil! Ich hatte beim Vorbeifahren einen Weg nach unten gesehen, der Blick auf die Karte zeigte, dass er in höchstens zwei Kilometern auf die Hauptstraße treffen würde. Ich hoffte sehr, dass es nicht die weiter talabwärts führende Piste war. Die Tatsache war: Doch. Ich sprang aus dem Auto und wollte die Lage auskundschaften, vielleicht würde die Piste ja (unwahrscheinlicherweise) hinter der Kurve in besserem Zustand sein? Der kalte Wind blies mir heftig ins Gesicht, der erste Schnee war hier oben bereits gefallen, langsam begann es dunkel zu werden. Nach nur wenigen Metern durch den Matsch beschloss ich: Nein, das ist jetzt endgültig saudumm! Ich stieg zurück ins Auto, schaltete gute Musik ein and und fuhr vorsichtig zurück zu der Kreuzung, an der ich direkt weiterfuhr. Nach wenigen Minuten war ich auf der Hauptstraße. Wie wunderschön leuchtete das blaue Verkehrsschild im letzten Sonnenlicht!

 

November 2016